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Portal-Geschäft in Zahlen: Was Eigentümer wissen sollten

Erstellt von Hary Stubnya |

Immobilienportale sind keine gemeinnützigen Plattformen. Die Zahlen zeigen, wie das System funktioniert.

Die Zahlen hinter dem Portal-Geschäft: Was Eigentümer und Makler wissen sollten

Immobilienportale sind keine gemeinnützigen Plattformen. Sie sind Unternehmen mit Aktionären, Renditeerwartungen und einem Geschäftsmodell, das sich in den letzten Jahren grundlegend verändert hat. Die folgenden Zahlen und Fakten machen transparent, wie das System funktioniert.

Erlösstruktur Scout24 SE -- Geschäftsjahr 2024

SegmentUmsatzWachstumWas dahintersteckt
Makler-Abonnements (B2B)296,6 Mio. EUR+9,8%Monatliche Gebühren für Inserate und Premium-Pakete
Transaction Enablement (B2B)90,8 Mio. EUR+19,1%Realtor Lead Engine, CRM-Software, Eigentümer-Lead-Verkauf
Privat-Abonnements (B2C)90,3 Mio. EUR+25,2%MieterPlus, KäuferPlus -- die kostenpflichtigen Abos für Suchende
Gesamt566,3 Mio. EUR+11,2% 

Weitere Kennzahlen: Bereinigte EBITDA-Marge 61,5 Prozent. Marktkapitalisierung rund 7 Milliarden Euro. Im DAX seit September 2025. Aktienperformance: +38,6 Prozent in einem Jahr, +98,8 Prozent in drei Jahren. Dividende 2025: 1,32 Euro je Aktie.

Die Kernbotschaft der Tabelle: Das Lead-Geschäft (Transaction Enablement) wächst mit 19,1 Prozent fast doppelt so schnell wie die klassischen Makler-Abonnements. In einem einzigen Geschäftsjahr (2020) wuchsen die Erlöse der Realtor Lead Engine um über 60 Prozent. Das Inserat ist nicht mehr der Treiber -- die Daten sind es.

Was kostet ein Lead?

FaktorWert
Preis pro Eigentümer-Lead200 -- 500+ EUR
ExklusivitätKeine (bis zu 3 Makler erhalten denselben Lead)
QualitätsgarantieKeine (Lead bedeutet nicht Verkaufsabsicht)
Herkunft"Kostenlose Bewertung", Maklervergleich, Suchformulare

Ein Beispiel: Ein Eigentümer in einer gefragten Lage klickt auf "Kostenlose Immobilienbewertung". Er gibt seine Daten ein. Das Portal verkauft diesen Kontakt an drei Makler für je 400 Euro. Erlöse für das Portal: 1.200 Euro -- für einen einzigen Klick.

AVIV Group / Immowelt -- das andere große Portal

DatumVorgang
01.02.2024Immowelt GmbH wird zur AVIV Germany GmbH
März 2025Neuer CEO Denis Pravdivy (vormals Avito, Russland)
29.04.2025KKR + CPP Investments übernehmen 90% der AVIV Group

Bewertung der Classifieds-Sparte: rund 10 Milliarden Euro. Das verbliebene Mediengeschäft von Axel Springer: rund 3,5 Milliarden Euro. Jahresumsatz AVIV Group: geschätzt rund 750 Millionen USD. Detaillierte Geschäftszahlen werden nicht veröffentlicht.

Die Bewertung spricht für sich: Das Daten- und Classifieds-Geschäft ist für Investoren dreimal so wertvoll wie das gesamte Mediengeschäft eines der größten europäischen Medienhäuser.

Das Urteil des Landgerichts Berlin II

Am 19. Juni 2025 (Az. 52 O 65/23) entschied das Gericht: ImmoScout24 verstößt gegen Datenschutz- und Wettbewerbsrecht. Untersagt wurde die Verarbeitung persönlicher Daten aus einem Selbstauskunft-Formular ohne wirksame Rechtsgrundlage. Das Gericht stellte eine "faktische Zwangssituation" fest. Die Berufung läuft (KG Berlin, Az. 5 U 63/25).

Die Rechnung für Makler

Makler zahlen in diesem System doppelt:

1. Gebühren für Inserate (ab 499 EUR für 10 Anzeigen auf ImmoScout24)
2. Gebühren für Leads, die aus genau diesen Inseraten generiert werden

Die Inserate erzeugen Nutzerdaten (Wer sucht was? Wer klickt worauf?). Die Plattform monetarisiert diese Daten als Leads und verkauft sie -- teilweise zurück an die Makler, deren Inserate die Daten erzeugt haben.

Checkliste für Eigentümer: Bevor Sie Ihre Daten eingeben

1. Fragen Sie sich: Habe ich eine echte Verkaufsabsicht -- oder informiere ich mich nur? Falls nur Information: Die Daten, die Sie eingeben, werden trotzdem kommerziell verwertet.

2. Lesen Sie die Datenschutzerklärung. Prüfen Sie, an wen Ihre Daten weitergegeben werden. Bei ImmoScout24 sind das unter anderem Finanzierungspartner, Versicherungen und Umzugsservices.

3. Rechnen Sie mit Kontaktaufnahmen. Wenn Sie Ihre Telefonnummer eingeben, werden Sie angerufen -- nicht von der Plattform, sondern von Maklern, die Ihren Lead gekauft haben.

4. Bedenken Sie die Alternative: Ein Gespräch mit einem Makler vor Ort kostet keine Daten, ist vertraulich und liefert eine Einschätzung, die auf lokaler Marktkenntnis basiert -- nicht auf einem Algorithmus.

5. Prüfen Sie, ob Sie Auskunfts- und Löschrechte geltend machen wollen. Nach Art. 15 und Art. 17 DSGVO haben Sie das Recht zu erfahren, welche Daten über Sie gespeichert sind, und deren Löschung zu verlangen.


Sie möchten den nächsten Schritt gehen?

Zahlen lügen nicht -- aber sie erfordern Kontext. Was eine Immobilie wirklich wert ist, lässt sich nicht durch einen Portal-Algorithmus bestimmen, sondern durch fundierte Marktkenntnis und lokale Erfahrung. Seit 1994 bewerte und vermittle ich Immobilien in der Metropolregion Nürnberg -- mit Transparenz statt Intransparenz.

Für datenschutzrechtliche und steuerliche Fragen rund um Immobilientransaktionen arbeiten wir mit erfahrenen Kolleginnen und Kollegen zusammen. Sie bekommen nicht nur einen Makler, sondern ein Netzwerk das füreinander einsteht.

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